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Wenn aus spontan ernst wird

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Manche erfolgreiche Unternehmensgeschichte beginnt spontan, eher beiläufig. Ohne große Pläne und große Ziele. So auch die Geschichte von Carolin Flender und ihrer Firma „Anna & Oskar.“ Als sie 2015 zum ersten Mal schwanger ist und sich intensiver mit Wickelrucksäcken, Wickelunterlagen und Stillkleidung auseinandersetzt, wird ihr schnell klar, dass die Produkte, die es auf dem Markt bereits gibt, nicht ihren Wünschen entsprechen. 

„Ich wollte einfach einen Wickelrucksack, der zu mir und meinem Style passt.“

Als sie zwei Jahre später erneut schwanger ist, fängt sie schließlich selbst an zu nähen und entwirft ihren eigenen Wickelrucksack. Erfahrungen an der Nähmaschine hat sie zu dem Zeitpunkt keine. „Ich habe mir die Maschine von meiner Mutter geliehen und mir dann Schritt für Schritt das Nähen mit Youtube-Videos beigebracht.“ Mit der Zeit wird sie immer häufiger auf ihren Rucksack mit Namen „Hugo“ angesprochen: „Als meine Freundinnen plötzlich meinten, sie würde sogar Geld dafür zahlen, habe ich schließlich überlegt mein eigenes Label zu gründen.“ 2017 gründet sie dann „Anna & Oskar.“ Es dauerte anfangs einige Monate bis Carolin Flender die erste Bestellung über ihren Online-Shop bekommt. Sie erinnert sich noch ganz genau an diese erste Bestellung: „Ich hatte zu dem Zeitpunkt nur mein Modell und noch nicht mal ein Schnittmuster. Also habe ich meinen Rucksack wieder auseinandergenommen und so ein Schnittmuster erstellt.“ Mit der Zeit kommen immer mehr Bestellungen rein. Tag und Nacht sitzt sie damals an der Nähmaschine. „Es war dann so viel, dass ich es alleine gar nicht mehr geschafft habe. Ich hatte nur noch Zeitdruck und so auch keinen Spaß mehr an der Sache.“ Sie holt sich Unterstützung durch die Siegener AWO, doch auch hier kommen die Mitarbeiten schnell an ihre Grenzen. „Irgendwann musste ich mich entscheiden, ob es ein Projekt bleibt oder ob ich meinen bisherigen Job als Dozentin an Universität Siegen aufgebe.“

Female Empowerment

Carolin Flender entscheidet sich für „Anna & Oskar.“ Sie beschreibt diesen Schritt rückblickend als Schritt Richtung Freiheit. Weg von dem Druck in ihrem Job an der Universität. „Ich habe immer gerne als Dozentin gearbeitet, aber wenn du Kinder hast und deshalb nicht mit zum Kongress nach Berlin kannst, bekommst du gleich diesen Mütter-Stempel.“ Zwei Jahre nach dem Schritt in die Selbstständigkeit hat die 37-Jährige fünf Mitarbeitende. Mit ihrem schlichten Design und dem Fokus, dass alle ihre Produkte nachhaltig und fair produziert werden, erreicht sie zahlreiche Familien. Über Instagram bezieht sie mehr als 17,5 Tausend Follower täglich in ihre Arbeit mit ein. Inzwischen ist sie Mama von drei Kindern und so entstehen täglich auch immer weitere Ideen für neue Produkte. Als ihre Tochter 2021 geboren wird, bringt sie ihre erste Stillkollektion „Charlotte hat Durst“ heraus. Neben dem Thema Nachhaltigkeit liegt Carolin Flender noch ein weiterer Gedanke sehr am Herzen: „Female Empowerment“. Es sei ihr wichtig, dass sich Frauen gegenseitig unterstützen: „Als Frauen müssen wir einfach immer noch mehr leisten als Männer. Gespräche sind mit Geschäftspartnern sind häufig viel schwieriger als mit Geschäftspartnerinnen: „Als ich damals meine ersten Lagerräume anmieten wollte, fragte mich der Vermieter tatsächlich, ob mein Mann denn nicht auch noch dazu kommen würde.“ Aus diesem und vielen weiteren Gründen engagiert sich Carolin Flender im PAULA-Netzwerk. „Ich freue mich auf viele tolle Gespräche, eine gute Zeit und den Austausch mit den Frauen aus ganz unterschiedlichen Bereichen.“ Für die Zukunft hat sich Carolin Flender vorgenommen, den Fokus etwas mehr auf sich selbst zu legen: „Das hört sich im ersten Moment etwas komisch an, aber ich mache zum Beispiel aktuell eine Ausbildung zum systematischen Coach, um eine bessere Führungskraft zu werden.“ Ihr Ziel sei es aktuell, sich persönlich weiterzuentwickeln und „Anna & Oskar“ weiter gesund wachsen zu lassen. Und die besten Ideen entstehen bekanntlich spontan, ohne große Pläne und große Ziele…

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