PAULA-Netzwerk

Der Konkurrenzkampf ist hoch

Rechtsanwältin Ann-Kathrin Schönekeß wird von ihren Kollegen oft unterschätzt, doch die junge Iserlohnerin sieht darin ganz klar ihre Vorteile.​

Die Abwechslung reizt sie.

Die Abwechslung reizt sie. Immer andere Menschen, immer andere Geschichten, immer andere Fälle. Ann-Kathrin Schönekeß ist Rechtsanwältin für Strafrecht, Familienrecht und Verbraucherrecht in Iserlohn. Ihr Fokus liegt aber klar beim Strafrecht: “Es ist ein wahnsinnig spannendes und facettenreiches Rechtsgebiet.” Studiert hat Ann-Kathrin Schönekeß an der Universität in Osnabrück. Anschließend folgte ein Referendariat und zwei Staatsexamen. Der damals 28-Jährigen ist anschließend schnell klar, dass sie eine eigene Kanzlei in ihrer Heimatstadt im Märkischen Kreis will. Ihre Devise dabei: Versuch macht klug. “Natürlich hatte ich anfangs einige schlaflose Nächte, aber ohne Kind und Kegel fiel mir der Schritt in die Selbstständigkeit nicht so schwer. Ich denke, dass einem die Entscheidung, wenn man schon Familie hat, nicht so leicht fällt…” Anfang 2020 eröffnet sie ihre eigene Kanzlei, damals noch an der Mendener Straße in Iserlohn. “Bei meiner Arbeit geht es neben den juristischen Dingen, ganz viel um Menschenkenntnis, viel Sozialarbeit und Empathie. Und dieses Gefühl für die Mandanten, das kann einem auch niemand beibringen. Das muss jeder für sich selbst entwickeln”, sagt die junge Rechtsanwältin. Mittlerweile hat Ann-Kathrin Schönekeß sich mit der Kanzlei Hanke & Wolff zusammengeschlossen. Ihre Kanzlei ist jetzt an der Karlstraße. Normalerweise sei eine “Fusion” zwischen Anwälten eher ungewöhnlich, aber “bei uns passt das einfach und so können wir noch mehr Rechtsgebiete abdecken.” Eher selten sei auch, dass eine junge Frau ihren Schwerpunkt auf das Strafrecht legt: “Es ist schon ein sehr Männer lastiger Beruf, Frauen wählen oft andere Rechtsgebiete”, sagt Schönekeß.

Konkurrenzkampf

Der Konkurrenzkampf unter Anwälten und Anwältinnen sei extrem hoch, das merke man häufig schon während des Studiums. Es gebe nur wenig Miteinander, dafür viel “Jeder gegen Jeden”. “Hin und wieder bekomme ich negative Kommentare von Kollegen oder Kolleginnen im Gerichtssaal, aber damit kann ich umgehen. Im Gegenteil, solange sie mich unterschätzen, profitieren meine Mandanten und ich nur davon.” Die junge Rechtsanwältin sieht ganz klar ihre Vorteile als Frau, auch mit Blick auf die Opferhilfe: “Vor allem Frauen, die Opfer einer Straftat geworden sind, fällt es leichter, einer anderen Frau ihre Geschichte zu erzählen.”
Der Job als Rechtsanwältin ist immer auch ein Spagat zwischen der nötigen Distanz und gleichzeitig der Nähe zu den Mandanten. “Häufig werde ich gefragt, wie ich diesen Job machen kann. Also wie ich Straftäter verteidigen könne. Aber es geht darum, sich die Grundsätze eines jeden Strafverfahrens klar zu machen: Jeder Täter hat das Recht, sich anwaltlich vertreten zu lassen und Teil eines fairen, das heißt rechtsfehlerfreien Verfahrens zu sein. Es geht folglich nicht immer darum, Täter zu „verteidigen“. Oft liegt der Schwerpunkt auch einfach in einem Begleiten.“ Es gehöre zu ihrer Philosophie, dass sie ihren Mandanten zu jeder Tages- und Nachtzeit zur Seite steht. Man lerne mit der Zeit, den richtigen Abstand zu halten und gleichzeitig mit viel Herz und Einfühlungsvermögen für die Menschen da zu sein.

Lockere Atmosphäre

Mit viel Herz dabei, sind auch alle Beteiligten des PAULA-Netzwerkes: Seit einiger Zeit gehört auch Ann-Kathrin Schönekeß dazu und freut sich sehr über den entspannten Austausch mit den unterschiedlichen Frauen. Durch ihre Mutter hat sie von dem Netzwerk für und von Unternehmerinnen erfahren. “Ich habe erst mit Jana Lewe und Judith Budde-Renfordt telefoniert und fand das schon sehr sympathisch.” Mittlerweile besucht sie regelmäßig das Unternehmerinnen-Frühstück, aber besonders der Austausch beim Walk & Talk begeistert sie. “Es ist einfach eine lockere Atmosphäre und ich profitiere sehr von den Erfahrungen der anderen Unternehmerinnen, die schon länger selbstständig sind.” Denn in ihre Funktion als Chefin muss die heute 30-Jährige langsam reinwachsen. “Personalführung haben wir während des Studiums nicht gelernt, ich habe also aus dem Nichts angefangen. Deshalb bin ich sehr froh, dass ich mich mit den anderen Frauen unter anderem über diese Themen austauschen kann.” Aktuell arbeitet Ann-Kathrin Schönekeß an ihrer Fachanwaltsprüfung für Strafrecht. Den Schritt in die Selbstständigkeit hat sie bisher keinen Tag bereut: “Ich genieße die Flexibilität. Ich teile mir meine Arbeitszeiten so ein, dass es für mich am besten passt.” Die 30-Jährige ist stolz, was sie bisher geschafft hat und freut sich auf viele weitere andere Menschen und andere Geschichten. Denn es ist die Abwechslung, die sie reizt.

Vielen Dank liebe Ann-Kathrin für deine Mithilfe bei diesem tollen Interview.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.