Die Schlümpfe

Schlümpfe

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Wer kennt sie nicht aus seiner Kindheit? Die liebevollen kleinen blauen Wesen rund um Papa Schlumpf, die ihr Dorf vor dem bösen Gargamel beschützen und spannende Abenteuer erleben. Anders als andere Serien, die eine klare geschlechtliche Ausrichtung hatten, sind die Schlümpfe doch für alle Geschlechter geschaffen – möchte man auf den ersten Blick meinen. Doch weit gefehlt…

Frauenquote bei den Schlümpfen: 1%

In Schlumpfhausen leben die etwa 100 blauen Schlümpfe in trauter Gemeinschaft. Neben den 99 männlichen Schlümpfen im Dorf, gibt es genau eine Frau: Schlumpfine. Eine! Die hübsche blonde Schlumpfine mit den weißen Heals war lange Zeit die einzige Frau im Dorf. Erst in den neueren Folgen taucht das Schlumpfmädchen Sassette und auch ein Oma-Schlumpf auf. In den Folgen, die wir aus unserer Kindheit kennen, gibt es aber tatsächlich nur einen weiblichen Schlumpf im Dorf. Sogar der Bösewicht Gargamel und seine Katze Azrael waren Männer! Wie würde eine Population in einem Dorf so überleben? – Gar nicht! Eine Frau könnte niemals genügend Nachwuchs gebären um dieses Sozialgefüge aufrecht zu erhalten. Ist aber auch gar nicht nötig, denn die auserwählten rein männchlichen Nachkommen werden klischeehaft, wie es nur sein könnte, vom Storch gebracht.

Sie kann einfach nichts - wirklich nichts

Jeder Schlumpf definiert sich dabei über eine Neigung, eine Charaktereigenschaft oder eine besondere Fähigkeit. Da gibt es zum Beispiel den wirklich schlauen Schlaubischlumpf, den starken Muskelschlumpf Hefty, den Miesepeterschlumpf Muffi oder auch den Musikschlumpf Harmony. Jeder hat eine Besonderheit, die ihn auszeichnet und über die er sich definiert. Wirklich jeder Schlumpf? – Nein, ihr ahnt es bereits, richtig? Schlumpfine kann einfach gar nichts. In all den vielen Folgen und Serien wird ihr keine einzige nützliche Charaktereigenschaft oder Fähigkeit zugesprochen.

Klischeehaft koketiert sie mit ihren weiblichen Reizen oder heult riesige Fontänen aus beiden Augen. Ansonsten… Nichts. Einfach nichts. Es gibt sogar Clumsy, einen männlichen dummen Schlumpf! Dummsein ist eine Erwähnung wert, aber nicht mal diese fragwürdige Eigenschaft wird Schlumpfine zugesprochen.

Hässlich geht gar nicht

Schlumpfine wurde angeblich durch Gargamel geschaffen, um Unruhe in die illustre Männerrunde zu bringen. Was sollten Frauen auch sonst bringen?

Dabei hatte sie zu Beginn schwarze, struppige Haare und eine große Nase. Nur durch den gütigen Papa Schlumpf konnte sie in die wunderhübsche Schlumpfine verwandelt werden. Man merke sich für das frühkindliche Trauma rechtzeitig: hässlich geht gar nicht! Erst wenn die Nase stimmt, läuft’s für Frauen im Dorf!

Die anderen weiblichen Schlümpfe, wie Sassette und Omaschlumpf konnten nur durch einen Zauber mit blauer Tonerde entstehen. Von Männern geschaffen und durch ihre Gnade zum Leben gebracht… Kommt einem irgendwie bekannt vor, nicht?

Und die Moral von der Geschicht

Heute wundert es mich nicht mehr, dass ich nie ein wirklicher Schlupf-Fan gewesen bin. Mit wem hätte sich ein junges Mädchen hier identifizieren sollen? Sieht irgendeine Frau ein Vorbild für sich in dieser Serie? Eine Person, mit der man sich identifizieren kann? Nein. Leider nein.

#leseempfehlung

Inspiriert von der wundervollen Carolin Kebekus und Ihrem Buch “Es kann nur Eine geben”, 2021, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln

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